„VALID“ ist das Gegenteil von „invalid“

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„uns geht es um einen positiven Zugang

Interview mit Florian Dungl und Marion Breiter-O´Donovan vom VALID Magazin.

In den 5 Jahren seines Bestehens hat das Magazin VALID einen fixen Platz in der österreichischen Medienlandschaft erobert. Anlässlich des 5-Jahres-Jubiläums sprachen wir mit Gründer und Herausgeber Florian Dungs und der Chefredakteurin Marion Breiter-O´Donovan über die Ausrichtung des Magazins, Meilensteine sowie Pläne für die Zukunft. Das Interview führte Hansjörg Nagelschmidt.

  • Das Valid-Magazin feiert heuer seinen 5. Geburtstag und ziemlich gleichzeitig mit dieser INKLUSIV-Ausgabe erscheint auch euer Jubiläumsheft Nummer 20 – was dürfen wir uns erwarten und wie werdet ihr den Geburtstag feiern?

Florian: Es wird eine kleine Feier geben und zwar im Rahmen der Powerparade am Heldenplatz am 21. Juni. Da wird es ein Zelt von VALID geben, wo wir mit den Veranstaltern der PowerParade, den Mitarbeiter*innen von VALID und unseren Kooperationspartner*innen und Kund*innen den 5. Geburtstag feiern wollen. Das Zelt soll auch ein Rückzugsort für die Künstler*innen sein, die bei der PowerParade auftreten werden.

Marion: Das Jubiläumsheft wird am 12. Juni erscheinen – in dieser Ausgabe werden wir erstmals den Florian als Herausgeber und Gründer des Magazins auch persönlich vorstellen. Einfach weil es wichtig und legitim ist denjenigen vor den Vorhang zu bitten, der mit dem Magazin eine Vision verfolgt. Es wird für die Leser*innen sicher interessant sein, einmal etwas über die Lebensgeschichte von Florian zu erfahren Und natürlich auch über die Vision des Magazins, für die er auch als Person beispielgebend steht. Es geht darum, Mut zu machen und in einem positiven Sinn Stories zu bringen, die mit Menschen mit Behinderungen zu tun haben.

  • Zurück in der Geschichte: bitte ein paar Infos zum beruflichen Background und zur Entstehungsgeschichte – Wie ist die Idee zu VALID entstanden? Warum wolltest du ein Magazin auf den Markt bringen? Motivation, Zweck?

Florian: Ich bin ursprünglich gelernter Koch und Kellner und hatte schon die Zusage für einen Job auf einem internationalen Kreuzfahrtschiff in Miami. Vor 11 Jahren kam mir dann ein Badeunfall dazwischen, der meine Pläne quasi durchkreuzte. Nach meiner Reha habe ich wieder nach einem Weg zurück in die Arbeitswelt gesucht und bin zu Echo TV gekommen. Dort hatte ich die Möglichkeit meine Ideen einzubringen, die irgendwann einmal in einem Behinderten-Lifestyle Magazin fürs Fernsehen mündeten, weil ich immer Fernsehen machen wollte. So etwas gab es damals nicht. Wir haben dazu einen Pilot gedreht mit 3 Themenschwerpunkten: Mobilität, Sport und Lifestyle. Nach Umstrukturierungen kam dann letztlich alles ein bissel anders – und so habe ich dann 2013 letztendlich den eigenen Verlag gegründet.

Als Vision hinter dem Magazin steht kurz und bündig ein für viele Menschen negativ behaftetes Thema anders und positiv darzustellen.

Marion: Es ist gerade dieser positive Ansatz des Magazins – auch im Umfeld von Menschen mit Behinderungen – der die Berührungsängste verhindert. Damit verbunden gibt es auch weniger Abwehr und weniger Skepsis dem Thema „Behinderung“ gegenüber. Zudem arbeiten wir dem Zeitgeist entsprechend mit einer sehr trendigen optischen Aufmachung, was den positiven Stil noch unterstreicht. Und auch der Unterhaltungswert kommt im Magazin nicht zu kurz. Uns ist wichtig, dass sich das Heft gut liest. Auch Leser, die nicht unmittelbar mit dem Thema befasst sind, sollen so ins Heft hineingezogen und interessiert werden.

  • Was waren die größten Herausforderungen, die Idee in die Realität umzusetzen?

Florian: Naja, von GmbH-Recht und Buchhaltung hatte ich recht wenig Ahnung – das musste ich mir alles erst aneignen. Die Finanzierung war und ist natürlich immer ein herausforderndes Thema – bis heute finanzieren wir uns ausschließlich über Inserate – Förderungen bekommen wir keine. Insgesamt macht es aber einfach sehr viel Spaß und bringt sehr viel Freude.

  • Was waren aus eurer Sicht die wichtigsten Veränderungen/Weiterentwicklungen in den letzten 5 Jahren?

Florian: Nach der großen Euphorie der ersten Ausgaben, gab es durchaus auch schwierigere Zeiten. Da gab es auch von Seiten des ÖZIV eine sehr große Unterstützung, für die ich mich unbedingt bedanken möchte. Das alles hat aber letztlich dazu geführt, dass wir das Magazin immer weiter entwickelt und optimiert haben.

Marion: Ein Meilenstein war sicher das neue Lay-out und das neue graphische Konzept von Simon Alber, der einen sehr guten Background als Magazinmacher hat. Zudem besitzt er auch das nötige Fingerspitzengefühl und weiß sehr gut, wohin die Reise mit dem Magazin gehen soll. Nunmehr ist das Magazin einfach plakativer und lifestyliger. Thematisch und inhaltlich haben wir die ursprüngliche Linie weitergeführt. Es geht schließlich darum, ein Magazin für die Leser*innen zu machen und nicht für uns selbst. Also: was interessiert die Leser*innen, welche Informationen benötigen sie usw – daran orientieren wir uns.

  • VALID nennt sich „Das Inklusionsmagazin“ – welche Aspekte sind euch diesbezüglich wichtig? Wie ist der Magazinname „VALID“ entstanden?

Marion: Alle Menschen sollten grundsätzlich alle Möglichkeiten haben. Menschen sollten nicht von Chancen und Möglichkeiten ausgegrenzt werden nur aufgrund von Äußerlichkeiten – jeder ist in seiner Individualität wertvoll und verdient Respekt. Das ist mir persönlich sehr wichtig, dass dies auch immer wieder transportiert wird, denn auch wenn wir in unserer Zeit manchmal den Eindruck gewinnen, alles sei bunt und lustig – also eine gewisse Oberflächlichkeit – sollte man gegen Respektlosigkeit gegenüber Menschen immer mit Nachdruck auftreten. Und mitunter auch sein eigenes Verhalten hinterfragen.

Florian: „Valid“ ist das Gegenteil von „invalid“ – wir wollen zeigen was möglich und machbar ist und zu diesem positiven Zugang passt der Magazinname einfach sehr gut.

  • Was jedem auffallen muss: ihr legt großen Wert auf Graphik und Layout sowie Lifestyle, seid ein modernes und trendiges Magazin – warum ist euch das wichtig?

Florian: Mit VALID wollen wir das bestehende Zeitungsangebot ergänzen und einen unverkrampften Zugang zum Thema Behinderung vermitteln – das soll auch das Layout ausstrahlen.

Marion: Da wir auch Lifestyle-Themen breiten Raum einräumen, passt das moderne Design einfach optimal.

  • Eine Frage an Marion – du bist jetzt seit ca 1 Jahr Chefredakteurin, kommst aber ursprünglich aus einem anderen Bereich. Hast du das thematisch als schwierig empfunden, dass nun das Thema Behinderung im Mittelpunkt deiner journalistischen Arbeit stehen?

Marion: Ich habe schon sehr viele Magazine gemacht mit unterschiedlichster thematischer Ausrichtung. Das Handwerkszeug bleibt ja im Grunde immer gleich. Insofern war das nicht schwierig. Zudem ist die Zusammenarbeit mit Florian da auch eine Unterstützung, weil er das Thema Behinderung aus eigener Sicht beurteilen kann.

Bei journalistischer Arbeit ist Empathie meiner Meinung nach grundsätzlich immer wichtig. Thematisch bzw. fachlich muss man sich natürlich schon auch einarbeiten – aber da war auch der Besuch beim ÖZIV sehr hilfreich – zum Beispiel in Hinblick auf Sprache und Diktion.

Florian: Das war für uns auch ganz am Anfang sehr wichtig, dass wir hier möglichst keine Fehler machen und die mühsame und langjährige Arbeit von den Verbänden, die seit Jahrzehnten wertvolle Arbeit leisten, nicht konterkarieren. Denn ohne den Einsatz der Verbände würde es kein BehindertengleichstellungsGesetz oder eine UN-Konvention für Menschen mit Behinderungen geben.

  • Wie können wir uns die Arbeitsteilung zwischen euch beiden vorstellen? Wie kommt ihr zu euren Stories, wie entscheidet ihr über Cover-Geschichten?

Marion: Wir sind ein Team – Florian, ich und die freien Mitarbeiter*innen. Und in diesem Team kommen die Vorschläge auf den Tisch – wir sind da einfach in laufendem Austausch.

Florian: Ich habe dann und wann noch kurzfristige Ideen, was manchmal Änderungen notwendig macht – das sorgt manchmal für kleines Chaos. Aber Marion ist die Organisierte und so klappt alles immer gut. Viele Bestandteile des Heftes sind ohnehin immer fix vorgeplant, wo es keine Änderungen gibt.

  • Gab es in den 5 Jahren irgendwelche Highlights, Titel-Stories etc, die besonders herausragen oder auf die ihr besonders stolz seid? Berühmtheiten?

Florian: Wir hatten schon viele spannende Stories und Interviews auf die wir stolz sind. Mario Galla, ein Hamburger Top-Model hat beispielsweise für VALID eine eigene Fotostrecke gemacht.

Und es gibt auch sonst viele positive Geschichten und Ereignisse, die uns einfach immer wieder zeigen, dass wir mit dem Magazin vieles richtig machen – und die Welt da draußen auf uns aufmerksam wird.

Marion: Und im Prinzip ist jede neue Ausgabe ein Highlight. Wenn die aktuelle Ausgabe druckfrisch reinkommt, dann lass ich immer noch alles fallen und blättere und freue mich!

  • Welche Pläne gibt es für die Zukunft?

Florian: Wir überlegen uns immer wieder mal was Neues – beispielsweise sind wir mittlerweile auch auf Facebook vertreten und haben einen eigenen Youtube-Kanal. Also unbedingt einmal vorbeischauen! Und natürlich habe ich noch viele Ideen, die aber noch nicht spruchreif sind. Mir war bis jetzt einmal wichtig, das Magazin im deutschsprachigen Raum zu etablieren und für einen funktionierenden Vertrieb zu sorgen. Seit unserer Gründung haben wir es geschafft, unsere Auflage zu versechsfachen. Zudem sind wir in allen Online-Kiosken vertreten und es kommen laufend neue Vertriebswege dazu. Eine weitere Auflagensteigerung ist sicher ein Ziel, möglicherweise auch eine häufigere Erscheinungsweise – wir werden sehen.

Marion: Thematisch wollen wir ein Lifestyle-Magazin bleiben, auch wenn immer wieder an uns herangetragen wird, wir sollten politischer sein. Das passt aber einfach nicht zur Ausrichtung und der DNA unseres Magazins – und außerdem gibt es andere Magazine, die das besser können und entsprechend professionell abdecken. Wir wollen das Magazin noch stärker als Begleiter durch den Alltag und durch ein schöneres Leben positionieren.

Das Magazin VALID erscheint derzeit vier Mal jährlich in einer Auflage von mehreren zehntausend Stück und hat nunmehr einen fixen Bestandteil in der österreichischen Medienlandschaft mit einer Reichweite weit über die Zielgruppe der Menschen mit Behinderungen hinaus.

VALID auf Facebook: https://www.facebook.com/VALIDMagazin/
VALID auf Youtube: https://www.youtube.com/user/VALIDleben

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