Parallelen und Unterschiede

10

Gemeinsam mit Regina Hochenburger schauen wir uns die Parallelen und Unterschiede in den Pflege- und Behinderteneinrichtungen an.
Interview: Philipp Hochenburger, Foto: Adobe Stock

Regina Hochenburger arbeitete im Laufe ihrer Berufslaufbahn in unterschiedlichen Bereichen der Pflege von Menschen. Dabei unterstützte sie Menschen mit Behinderung im Alltag und begleitete Menschen, die durch ihr zunehmendes Alter, erhöhte Anforderungen an die Pflege stellten. Deshalb fragen wir sie nach ihrer persönlichen Erfahrung, den Unterschieden in den verschiedenen Einrichtungen und den positiven Aspekten bzw. was sich noch verbessern sollte.

Sie haben in beiden Institutionen gearbeitet? Wann war das und wo sehen sie die großen Unterschiede?
Ja, ich habe in beiden Bereichen gearbeitet. Meine Tätigkeit im Altenheim war von 1997-2001. In einer Behinderteneinrichtung arbeitete ich im Anschluss bis 2003. Der Unterschied zwischen Altenheim und Behinderteneinrichtung besteht darin, dass ein Altenheim im Normalfall von älteren Personen ab ca. 70 Jahren und älter bewohnt wird. Dabei reicht der Pflegebedarf ab Stufe 3-4. Das heißt: Kaum eine Bewohnerin oder ein Bewohner ist noch selbstständig mobil, dies bewegt sich zwischen Rollator und Unterstützung/Übernahme der gesamten Körperpflege einschließlich der Unterstützung/Übernahme des Beweglichkeits- und Mobilitätsdefizits in mehr oder weniger umfangreichen Ausmaß.

Im Gegensatz dazu die Behinderteneinrichtung:
Hier gibt es zwar auch Selbstfürsorge-Defizite, meist steht in den Wohngruppen das soziale Zusammenleben im Vordergrund. Zusätzlich existieren je nach Behinderung Fördergruppen oder Werkstätten, die tagsüber als Beschäftigung besucht werden. Weiters sind auch Personen, die durch Unfälle hervorgerufene nicht wieder herstellbare dauerhafte Behinderungen haben, anzutreffen.

Welchen Unterschied gibt es in der Pflege zwischen Altersheim und Behindertenheim? Ist der Pflegeaufwand ein anderer?
Im Behindertenbereich ist ein jüngeres Klientel anzutreffen. Grundsätzlich ist der Pflegeaufwand im Altenheim ein höherer. Wobei im Schwerstbehindertenbereich dieser in etwa gleich kommt und in naher Zukunft auch in allen anderen Behinderteneinrichtungen weiter steigen wird, durch die „Veralterung“ der Bewohner.

Wie viel Zeit ist pro pflegender Person vorhanden?
Ist es möglich auf individuelle Wünsche und Anforderungen einzugehen?
Der Pflegeschlüssel/Personalschlüssel (zeigt das Verhältnis von BewohnerInnen zu Pflegepersonal) ist im Behinderten-Bereich etwas höher als im Alten-Bereich. Während meiner Tätigkeit im Altenheim waren 2 Pflegepersonen für 12 BewohnerInnen zuständig. Die Zunahme an demenzerkrankten Bewohnern verlangt jedoch, dass die damit im Zusammenhang stehenden erhöhten Pflege- und Betreuungsanforderungen auch in den Personalschlüsselberechnungen berücksichtigt werden sollte.

In einer Wohngruppe von Menschen mit Behinderung waren im Schnitt 2 BetreuerInnen für 5 BewohnerInnen eingeteilt, wobei auch die Grundbedürfnisse wie Nahrungsmitteleinkauf, Essen zubereiten, Wäsche­reinigung, Freizeitgestaltung und auch Begleitung zu Arzt-, Kranken- und Apothekenbesuche zu tätigen sind. In beiden Fällen kann nur bedingt auf die individuellen Wünsche / Bedürfnisse eingegangen werden.

Sind Altersheime für Menschen mit Behinderung ausgelegt – also barrierefrei?
Grundsätzlich ja, wobei sogar in Neubauten die Toiletten und Bäder oft zu eng geplant wurden.

Ist finanziell ein Unterschied bemerkbar von den Heilbehelfen bis zu allen Angeboten rund herum?
Im Normalfall nicht. Grundversorgung ist vom jeweiligen Heim / Wohnhaus zur Verfügung zu stellen, Spezialversorgungen übernimmt die jeweilige Krankenkasse. Die Fördergruppen und Werkstätten gibt es aber nur für den Behindertenbereich.

Wenn man im Behindertenheim ist und alt wird, kommt man dann ins Altersheim oder bleibt man dort?
Grundsätzlich ist hier ein jüngeres Klientel zusammengestellt, wobei es aktuell erstmalig auch hier wirklich „Alte Menschen“ gibt – aufgrund der guten medizinischen Versorgung. Ich denke diese Frage ist noch nicht geklärt und es wird sich zeigen in welche Richtung es geht.

Haben Ärzte od. das Pflegepersonal oder/und andere Berufsgruppen, die hier arbeiten, eine spezielle Aus- respektive Weiterbildung zum Thema Menschen mit Behinderungen?
Auch das Thema „speziell geschultes Personal“ sollte weiter forciert werden, da es derzeit zu wenig Kenntnisse in diesem Bereich gibt. Eine Überforderung aller Beteiligten liegt vor, wenn plötzlich Menschen mit einer mehrfachen Behinderung im Pflegeheim landen.

Sind Menschen mit Behinderungen im Altersheim fehlplatziert?
Bewohner aus der vertrauten Wohngruppe sollten nicht unbedingt herausgerissen werden.

Was läuft aus Ihrer Sicht gut und zufriedenstellend und wo orten Sie Verbesserungsbedarf?
Der Personalschlüssel / Pflegeschlüssel sollte nicht weiter verringert werden, sondern erhöht und gehalten werden. Gute Aus- u. Weiterbildungen sind dringend notwendig.

Warning: A non-numeric value encountered in /home/.sites/145/site2665953/web/wp-content/themes/Newspaper/includes/wp_booster/td_block.php on line 1009