Gestützte Kommunikation

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Kathrin Lemler

Die Gestützte Kommunikation (Facilitated Communication – FC) ist eine Form der Kommunikationsmöglichkeit für Menschen, die sich lautsprachlich nicht oder nur begrenzt mitteilen können (Wikipedia).

In früheren Jahren wurde Kindern aufgrund der Auswirkungen cerebraler Schädigung viel an Kommunikationsmöglichkeit und geistigem Entwicklungspotential verwehrt.

Oftmalige Folgen: Aufenthalt in Heimen, der Besuch von Sonderschulen und die Unterbringung in Einrichtungen mit Beschäftigungstherapieangeboten.Innerliche Vereinsamung und intellektuelle Unterforderung führten zu tiefgreifenden Frustrationen.

Langsam findet eine Wandlung statt. Gestützte Kommunikation kann und soll hier ein vorantreibendes Angebot und Instrument sein. Beispiele und faszinierende Ergebnisse der Nutzung Unterstützter und/oder Gestützter Kommunikation:

Kathrin Lemler
Kathrin Lemler, Erziehungswissenschaftlerin, Masterstudentin, Projektleiterin, Referentin, Autorin, Chefin von sieben Assistentinnen und Assistenten und ganz nebenbei eine Frau mit Behinderung, die mit ihren Augen spricht. Sie hat einige Bücher verfasst, in denen Sie über ihren Werdegang und die Möglichkeiten der Nutzung Unterstützter Kommunikation schreibt.
Unter www.kathrinlemler.de gibt es viel Interessantes zu erfahren.

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Gestützte Kommunikation lässt Entwicklungspotential wachsen

Raphael Müller
Raphael Müller ist ein junger Bursche, der mit 15 Jahren seine Autobiografie mit dem Titel „Ich fliege mit zerrissenen Flügeln“ geschrieben hat.
Er beschreibt in seinem Buch wie es sich anfühlte, seine Umgebung zu verstehen, das jedoch niemandem mitteilen zu können. „Es gibt ein Davor und ein Danach in meinem Leben“, schreibt Raphael Müller. Aufgrund eines vorgeburtlichen Schlaganfalls und des Autismus kann er nicht sprechen. Erst im Alter von sieben Jahren wurde erkannt, welches Potential in ihm steckt. Davor sprach man ihm die Fähigkeit des klaren Denkens ab. Er begann mittels einer Buchstabentafel und Gestützten Schreibens zu kommunizieren.

In seinem Buch schildert er, wie er bereits davor Buchstaben und Texte fotografisch aufnahm. Das Buch „Ich fliege mit zerrissenen Flügeln“ ist faszinierend zu lesen und auch als ebook oder Hörbuch im Buchhandel erhältlich.

Rebecca Klein
Rebecca Klein ist eine lebendige, künstlerisch sehr aktive Frau, die mit Hilfe Gestützter Kommunikation ihr Buch „Leinen los ins Leben“ schrieb. Aufgrund ihres frühkindlichen Autismus kann Rebecca Klein nicht lautsprachlich kommunizieren. Mit 14 Jahren begann sie sich mit Hilfe ihrer Mutter und Gestützter Kommunikation schriftlich zu äußern. Durch Bilder und Videos ihres Freundes bereichert, hat sie eine eigene künstlerische Ausdrucksform, die gemeinsamen „autistischen Dialoge“, geschaffen. Ihr Freund ist Asperger-Autist.

Der Fernsehbeitrag zu Rebecca Klein ist auf der Seite des Bayrischen Rundfunks unter „Autismus – Eine andere Wahrnehmung der Welt“, abrufbar. Das Buch „Leinen los ins Leben“ – auch als ebook – ist ebenso über den Buchhandel erhältlich.

Das FC Netzwerk Deutschland hält in seinem Dokument zur Information und Empfehlung zum Umgang mit FC folgendes fest:
Kommunikation ist ein Grundbedürfnis und Grundrecht des Menschen. Menschen mit Kommunikationsbeeinträchtigungen haben ein Recht auf alle notwendigen Hilfen, um ihre individuellen und spezifischen Kommunikations­möglichkeiten nutzen und erweitern zu können.

Für Menschen, die sich nicht oder nicht ausreichend lautsprachlich äußern können, bietet der Bereich der Unterstützten Kommunikation (UK) eine Vielzahl von alternativen und ergänzenden Kommunikationsformen.

Zielgruppe des FC sind Menschen, die in der Planung und Ausführung von zielgerichteten Handlungen und in ihrer Orientierung so beeinträchtigt sind, dass sie die Angebote der UK nicht angemessen und zuverlässig nutzen können, was nicht selten zu Fehleinschätzungen führt. Die Unterstützung bei FC umfasst physische, kommunikative und interaktive Hilfestellungen, die als Stütze bezeichnet werden. Die von einem/r Stützer/in angebotene Stütze hat das Ziel, dem FC-Nutzer zuverlässiges Zeigen zum Zweck von Kommunikation z.B. auf Objekte, Bilder oder Buchstaben zu ermöglichen oder zu erleichtern.

Vorhandene Kenntnisse (Bilder, Wörter oder Schrift) können so besser angewandt und weiter entwickelt werden – sie können aber nicht von vornherein vorausgesetzt werden.

Die Webseite des FC Netzwerk Deutschland http://www.fc-netz.de/ bietet Information zur Gestützten Kommunikation (FC), zu Zielen und Standards, sowie Ausbildungs- bzw. Weiterbildungsmöglichkeiten.

Text: Emilie Karall

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